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23. November 1992 Brandanschlag in Mölln

Am 23. November 1992 verübten zwei Männer aus der rechtsextremen Szene einen Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Mölln. Das Haus der türkischen Familie Arslan stand in Flammen. Die damals 20-jährige Ayten Arslan, sprang mit ihrem Sohn Emra (6) im Arm aus dem Fenster des Hauses an der Mühlenstraße 9 und überlebte den Anschlag zusammen mit ihrer Schwägerin Hava Arslan (21) mit sehr schweren Verletzungen. Für Havas Tochter Yeliz (10) und ihre Schwiegermutter Bahide (51) sowie die Nichte Ayse (14), die zu Besuch aus der Türkei waren, kommt jede Hilfe zu spät: Sie sterben in den Flammen. Fast zur gleichen Zeit werden Brandsätze an einem anderen Haus mit türkischen Bewohnern gezündet, dort gab es keine Todesfälle, jedoch neun Schwerverletzte. Noch während die Häuser brennen, gehen mehrere Bekenner-Anrufe bei der Polizei ein. Die Anrufer verabschieden sich mit den Worten “Heil-Hilter”.

Ausländer sind Menschen dritter Klasse

Die Täter: Der 25-jährigen Michael Peters und der 19 Jahre alte Lars Christiansen. Sie gestehen beide die Taten, wiederrufen ihre Geständnisse wieder nach zwei Tagen. Beide Tatverdächtigen gehören der rechtsradikalen Szene an. Der 25-jährige Michael P. war schon im Vorfeld mit Anschlägen auf Asylantenheime in Gudow und Kollow mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Während der Prozesses werden ihre ausländerfeindlichen Motive deutlich spürbar: Sie behaupten, die Ausländer würden den Deutschen „die Buden und die Arbeit wegnehmen“ und seien „Menschen dritter Klasse“.

Nazim Arslan, Ehemann der ermordeten Bahide Arslan und Großvater der beiden toten Mädchen, am 23. Juni 1993 vor dem II. Strafsenat, Oberlandesgericht Schleswig

Ich kann es immer noch nicht fassen, was am 23. November 1992 mit meiner Familie geschehen ist. Es ist so schrecklich und grausam. Meine Frau Bahide ist tot, Enkelin Yeliz und Ayse Yilmaz sind tot. Meine Schwiegertöchter sind … behindert und haben Schmerzen, die Familie ist überhaupt nicht mehr, was sie war. Meine Frau Bahide war der Mittelpunkt meiner Familie – meines Lebens….Man hat uns hergebeten, wir sind gekommen, weil in Deutschland Arbeitskräfte gesucht wurden – und wir haben gearbeitet. Beide haben wir gearbeitet…Das Grauen und der Schrecken sind für mich noch immerzu da. Jedesmal, wenn ich in die Mühlenstraße gehe und das ausgebrannte Haus sehe, denke ich an diese grausame Nacht. … Ich höre die Schreie, sehe das Flackern vom Feuer und das blaue Licht der Feuerwehr, höre das laute Getöse von dem Feuer und sehe immer wieder das Bild, wie meine Frau im Rauch und Feuer verschwindet…Es ist mir auch so unverständlich, wofür, warum meine Frau und die zwei Mädchen sterben mußten. Weil sie Türkinnen waren?! Weil diese Männer unmenschliche politische Ideen ausführen wollten?Man hat uns doch hergebeten, wir kamen als Gastarbeiter. Wir waren hier Gäste! Wissen Sie, was Gastfreundschaft in der Türkei bedeutet? … So ein bösartiges Verbrechen kann ich nicht verstehen.


Lars Christiansen kam im Jahr 2000 frei. Sein Mittäter Michael Peters 2007

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11 2011